Die Fitbit Sense 2 ist bereits seit vier Jahren auf dem Markt. Eigentlich sollte ihre Geschichte an dieser Stelle zu Ende sein. In der Welt der Wearables reichen vier Jahre gewöhnlich aus, um ein Gerät alt aussehen zu lassen. Dennoch greifen viele weiterhin zu diesem Modell, weil die Sense 2 in bestimmten Bereichen noch immer Produkte übertrifft, die eigentlich ihre Nachfolge antreten sollten.
Wer mit Blick auf eine reduzierte Sense 2 grübelt, ob es sich um ein Schnäppchen oder um Altbestand handelt, findet hier eine ehrliche Einschätzung.
Google schloss die Übernahme von Fitbit im Jahr 2021 ab. Die ersten Modelle danach, die Sense 2 und die Versa 4, kamen 2022 auf den Markt – wirkten aber bereits wie ein Kompromiss.
Die erste Sense bot Drittanbieter-Apps, WLAN, Musiksteuerung und reichlich Smartwatch-Funktionen. Bei der Sense 2 wurde vieles davon gestrichen. Keine Drittanbieter-Apps, kein WLAN, keine integrierte Musikwiedergabe. Benachrichtigungen, Bezahldienste, GPS und die Gesundheitssensoren blieben erhalten. Sämtliche Features, die der Pixel Watch Konkurrenz machen könnten, flogen raus.
Hinter diesen Anpassungen steckt eine klare Zweiteilungsstrategie von Google für den Wearable-Markt:
Bereits vor zwei Jahren fror Google die Produktlinien Sense und Versa faktisch ein. Eine Sense 3 wird es daher nicht geben. Im Mai dieses Jahres wurde die Fitbit-App schließlich vollständig in Google Health umbenannt. Auch das Premium-Abo heißt nun Google Health Premium. Der Name Fitbit steht zwar weiterhin auf der Verpackung, das gesamte Ökosystem gehört mittlerweile aber zu Google.
Die Sense 2 wird nach wie vor verkauft, erhält Support und ist oft günstig zu haben. Dennoch handelt es sich um ein Produkt aus der Vergangenheit. Man kauft ein Gerät der vorherigen Generation auf einer Plattform, die nicht mehr weiterentwickelt wird.
Genau diesen Vergleich möchte Google erzwingen, ohne daraus ein Geheimnis zu machen.
Die aktuelle Pixel-Watch-Reihe bietet all das, was der Sense 2 verwehrt blieb. Wer ein Android-Smartphone nutzt und eine echte Smartwatch sucht, ist bei der Pixel Watch am besten aufgehoben: Karten am Handgelenk, Bezahldienste, Google Assistant oder Gemini, Offline-Musik, direkt beantwortbare Nachrichten sowie laufende Software-Updates von Google.
Die Sense 2 entscheidet jedoch drei unscheinbare, aber wesentliche Punkte für sich: Akkulaufzeit in Tagen, Kompatibilität mit dem iPhone und der Preis. Die Pixel Watch verlangt weiterhin nach täglichem Aufladen. Die Sense 2 hingegen lässt sich problemlos über die Arbeitswoche hinweg am Handgelenk tragen, ohne aufgeladen werden zu müssen.
Wer im Pixel-Ökosystem zu Hause ist und nur ein einziges Gerät sucht, bekommt mit der Pixel Watch die passendere Lösung. Die Sense 2 ist keine günstige Pixel Watch, sondern ein völlig anderes Produkt.
Das Charge 6 ist ein schlankes Fitnessband mit einem 1,04-Zoll-AMOLED-Display, integriertem GPS, EKG-Funktion sowie Herzfrequenz-Übertragung auf Fitnessgeräte. Die Akkulaufzeit liegt bei rund sieben Tagen, zudem funktioniert es sowohl mit dem iPhone als auch mit Android. Der Marktpreis liegt meist unter dem der Sense 2.
Der Fitbit Air ist das neueste Modell der Marke für Erwachsene, stellt aber keinen Nachfolger des Charge dar. Es handelt sich um ein bildschirmlose Tracker-Band für passive Gesundheitsdaten ohne GPS, EKG oder Bezahlfunktionen.
Im Vergleich zur Sense 2 teilt das Charge 6 die meisten Kernsensoren, hält eine Woche mit einer Akkuladung durch, bietet Google-Apps, die die Sense 2 nie wirklich besaß, und fällt so kompakt aus, dass es unter jedem Ärmel Platz findet.
Wer Gesundheitsdaten erfassen will und fast nie aufs Handgelenk schaut, fährt mit dem Charge 6 oder dem Air aktuell besser. Wer hingegen ein Zifferblatt, Daten auf einen Blick und die spezielle Stressanalyse der Sense-Reihe schätzt, findet in der Sense 2 das letzte Fitbit-Modell im klassischen Uhren-Look.
Ja, wenn der Fokus auf Schlaf, Stress und ganztägiger Herzfrequenzmessung statt auf Apps liegt, eine mehrtägige Akkulaufzeit gefragt ist und man damit leben kann, dass dies das finale Modell der Reihe bleibt.
Wer hingegen ein Android-Smartphone nutzt und eine Smartwatch sucht, die auch 2028 noch überzeugt: Pixel Watch.
Wer GPS beim Laufen, Bezahlfunktionen und ein leichtes Display sucht: Charge 6, meist deutlich günstiger.
Wer ernsthaft trainiert: Garmin.
Die ungeschminkte Wahrheit lautet: Die Sense 2 ist im Grunde wie ein alter Honda Civic. Das Produkt selbst ist in die Jahre gekommen und der Support überschaubar. Google würde lieber etwas anderes verkaufen. Allerdings deckt die Sense 2 Dinge ab, auf die die Pixel Watch nicht abzielt, während das Charge 6 eben keine Uhr ist.
Wer die Sense 2 kauft, sollte sie als reduziertes Gesundheitsgerät betrachten und nicht als Zukunftsplattform. Google hat diese Entscheidung längst für alle getroffen.
2026-09-06 22:18:40